Cyanotypie hab ich ja schon einige Male ausprobieren können, allerdings noch nie allein zu Haus mit dem neu gekauften UV-Strahler, der eigenen Chemie, dem eigens angerührten Stoppbad und der knackigmachenden Flüssigkeit am Ende. Voller Vorfreude druckte ich Negative auf Transparentpapier, baute in der Küche alles fleißig auf, rührte die Bäder an und legte los. Die Vorfreude wich, die Enttäuschung kam. Ich benutzte Papier, welches ich vor einiger Zeit schon mit Chemie tränkte und dunkel aufbewahrte. Nun, das war zu lang. Eindeutig. Die Bilder waren fleckig, ungleichmäßig und schrecklich belichtet, verschwommen, …
Nächster Tag, neues Glück. Auf zu Spürsinn und A4 Büttenpapier gekauft. Hach, davon träumte ich ja schon lang. Wieder einige Negative bearbeitet und auf BluePrint ausgedruckt. Tja, und schon wieder Enttäuschung. Nicht darüber, dass der Drucker nicht jedes Detail des Negativs drucken kann, denn das war mir bewusst, nicht aber, dass die Auswurfplatte, auf der die gedruckten Seiten landen, so dermaßen bescheiden konstruiert wurde, das sich das Papier dort verhakt und knitterig und ein wenig verschmiert aus dem Drucker kommt. (Passiert bei normalem Papier nicht, aber das Transparentpapier scheint durch den Druck ein wenig gewellt aus dem Drucker zu kommen.) Beim nächsten Mal also die Hand drunter halten, dann schnurrt’s.
Nun ja, noch mal ausdrucken wäre zu teuer und da ich sowieso erstmal den Strahler und die Bäder testen wollte, sollte es genügen. Und mit den Ergebnissen bin ich doch recht zufrieden. Erkenntnisse gab es aber auch. Viele sogar. Zum einen ist mein UV-Strahler nicht so stark, so dass ich die Belichtungszeit verlängern muss. Zum anderen habe ich nicht mit der nötigen Sorgfalt an den Negativen gearbeitet, so dass einige Teile leider zu hell, andere viel zu dunkel sind. Aber man lernt ja noch. Gott sei Dank.

Die Towerbridge, aufgenommen mit der Nikon FE auf Ilford FP4+, entwickelt in HCD-S und HCD-2, eingescannt, ausgedruckt auf BluePrint, auf A4 Büttenpapier cyanotypisiert. In Natura und im Rahmen sieht der Druck bei weitem noch besser aus, ist aber dann nur bei mir zu Haus zu bewundern
Analog ist bei mir unweigerlich mit Digital verbunden. Ob sich das irgendwann mal in die eine oder andere Richtung verändert, weiß ich nicht, glaube ich aber auch nicht. Die Mischung aus beidem ist einfach klasse. Ich belichte Film analog, scanne die Negative ein und bearbeite ein klein wenig digital nach. Und bestelle Abzüge. Digital über das Netz. Drucke Negative auf Spürsinns BluePrint aus und erstelle Cyanotypien. Anatal oder digilog. Irgendwas von beidem. Es macht Spaß so, es ist richtig so, jedenfalls in meinen Augen.
Seit dem ich mich mit analoger Fotografie befasse, geht mir die Schnelligkeit des Digitalen ziemlich auf die Eier. Teilweise kann man moderne Kameras mit einem Maschinengewehr vergleichen, Fototouren werden zur motivverachtenden Jagd; ansetzen, fokussieren, abdrücken, weiter. Dank Burstmode und schnellem Autofokus hat man schnell Motive eingesackt und zugeschnürrt. Nun noch jemand der dir sagt, wann du deine Kamera wohin halten sollst und schon kannst du getrost das Hirn abschalten.
Gott sei Dank merkte ich schnell, dass dies nicht meine Fotografie ist. Wobei ich noch immer nicht genau weiß, was nun »meine« Fotografie ist, aber dazu vielleicht ein anderes mal.
Eine grundlegende Eigenschaft sticht aber schon mal heraus: Langsamkeit. Verschlusszeiten spielen in diesem Zusammenhang allerdings keine Rolle. Ich weiß nicht, ob Langsamkeit das richtige Wort ist, ich weiß im Moment nicht mal, ob es dieses Wort überhaupt gibt. Vermutlich aber schon. Entschleunigung. Ich muss mich mit einem Motiv befassen, muss es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten oder ganz instinktiv genau in diesem Moment die Aufnahme machen. Dafür brauch ich keine 10 Bilder pro Sekunde oder Objektive, die in Bruchteilen von Sekunden auf den gewünschen Punkt fokussieren.
Genau dies ist der Grund, wieso meine DSLR in der letzten Zeit lieber im Schrank lag, als mit mir auf die Straße oder in die Natur zu gehen und wieso sie zwar die Reise nach London antrat, dort aber kein einziges Mal die Londoner Luft spürte, sondern dunkel und einsam die Zeit im Hotelsafe verbrachte. Dies hoffe ich jetzt in den Griff bekommen zu haben, denn wie ich anfangs schrieb, existieren in meinen Augen durchaus Vorteile in der digitalen Fotografie, welche ich auch nicht unbedingt missen möchte. Manchmal jedenfalls. Um etwas gegen die Schnelligkeit und Vergänglichkeit zu unternehmen, habe ich mich auf die Suche nach einer Lösung gemacht und habe sie denke ich gefunden.
Vielleicht für einige nicht zu verstehen, setze ich ab jetzt ausschließlich auf manuelle Fokussierung, um mich auch digital wieder mehr mit dem Motiv und dem Thema an sich zu befassen. Und um überhaupt nicht in die Versuchung kommen zu können, auf Autofokus zu stellen, werden meine Objektive dieses super tolle absolut oberaffengeile Feature gar nicht mehr unterstützen. Die Lösung fand sich bei Zeiss. Mein treues Canon 50mm Objektiv verkauft, das neue 50er Planar von Zeiss gekauft. Tja, und nach den ersten Testfotos bleibt nur ein YAY! Absolut smoooooothiges Fokussieren, tolle Abbildungsleistung, schön schwer, einfach klasse. Bilder mit dem Zeiss wird es irgendwann in naher Zukunft geben, heute erstmal welche vom Zeiss.
Ach ja, ich bin glücklich!


(Wenn ihr es nicht so mit Fotos habt, denkt bei Foto einfach an Musik, oder Filme, oder Essen, Kleidung, …)
Die ewige Frage nach dem perfekten Foto. Sitzt die Schärfe auf den Augen? Blumigschönes, cremiges Bokeh oder doch eher unruhig? Was machen die Farben? Sind die Linien durch den Weitwinkel perspektivisch verzerrt? 4:3 oder 16:9? Wieso nicht im Quadrat? Das Bild kippt etwas, das muss korrigiert werden! Die Ränder sind ganz schön abgeschattet, wirklich schön sieht das nicht aus. Und die Perspektive ist irgendwie auch nicht die Beste. Kinder von oben? Und dann auch noch mit Blende 11? Das geht doch nicht! Und dieses Korn, oh mein Gott, wie kann man das nur gut finden?!
Die ewige Suche nach dem perfekten Foto. Man wird im Internet mit annähernd perfekten Bildern überschüttet. Die perfekte Frau, das perfekte Cabrio, der perfekte Strand, der perfekte Sonnenuntergang. Und womöglich noch alles auf einem Foto.
Bilder die man gerade noch für absolut klasse befunden hat, verlieren just in diesem Moment an Wert. Aufgrund eines anderen Bildes. Weil dort die Farben schöner sind. Oder die Perspektive. Oder weil ein besseres Objektiv benutzt wurde. Oder, oder, oder. Aber warum? Sind nur technisch perfekte Bilder auch wirklich perfekt? Und wieso darf mir ein Bild nur dann gefallen, wenn es auch allen anderen gefällt? Warum können Bilder nicht für sich allein stehen und toll sein? Wieso wird überall verglichen? Ständig.
Neulich sagte mir jemand, wenn man einmal mit einer DSLR fotografiert hat, will man nie wieder eine analoge Kamera in der Hand halten. Bei so einer Aussage könnte ich im Dreieck springen. Oder doch eher im Quadrat? Aber ich weiß, viele werden so denken. Viele werden sagen: Ach, analoge Fotografie ist doch total veraltet, digital habe ich viel mehr Möglichkeiten, ich kann direkt schauen wie das Bild in etwa geworden ist und, und, und. Pech für euch, aber okay. Für mich.
Wieso wird einem überall versucht eine Meinung aufzudrücken? Verrückte Welt. Ich mag analoge Fotografie. Ich mag digitale Fotografie. Ich mag Bilder die Kippen. Aber nicht immer. Manchmal im Quadrat, oder aber auch als Rechteck. Möglicherweise in schwarzweiß, teils auch in Farbe. Mit und ohne Korn. Sie müssen nur eins gemeinsam haben, eine Seele. Sie müssen mich begeistern. Auf ihre ganz eigene, spezielle Art. Genau dies sind die perfekten Bilder. Für mich.
Letztens zeigte ich hier ein paar Bilder aus London. Ich wedelte ein wenig mit dem Pinsel auf den Negativen herum, um unnötigen Staub zu entfernen. Einiges ist trotzdem darauf. Ich mag es. Ich schaffte es neulich nicht, einen Kleinbildfilm auf die Entwicklerspule aufzufädeln, der Film wollte einfach nicht so wie ich, hatte am Ende Knicke und Schrammen. (An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Frauke und Micha für die schnelle Hilfe.) Als der Film aus der Dose kam, er getrocknet war und ich die Bilder auf dem Computer hatte, fand ich es alles ganz prima, sympathisch. Ich mochte die Schrammen. Die Bilder haben eine Extraportion Geschichte eingehaucht bekommen. Viele werden sie nicht mögen. Na und? Es sind meine, meine eigenen Bilder (und teilweise die meiner Freundin), zu aller erst müssen sie mir (und ihre ihr) gefallen. Wenn sie es bei anderen schaffen, freut es natürlich umso mehr.
Was ich sagen will? Ich weiß es nicht genau. Aber irgendwie geht es um Geschmack. Rückgrat. Identität. So was in der Art. Fotografiert wie ihr wollt. Mögt Bilder, die euch gefallen. Teilt eure Meinung, sei sie nun positiver oder negativer Natur. Oder lasst es. (Wobei Meinungen à la: »Find ich total scheiße!« meiner Meinung nach absolut nicht helfen.) Aber lasst euch keine Meinung aufzwängen. Nur weil ein Gemälde oder Bild mehrere Millionen Euro wert ist, muss es trotzdem nicht allen gefallen. Und das ist gut so. Individuell und so.
Was auch immer…
Da ich mich nicht entscheiden konnte und mir diese Bilder nun auch wirklich richtig dolle gefallen, durften sie natürlich nicht auf der Festplatte versauern. Abzüge werde ich sowieso von allen bestellen, aber diese möchte ich auch noch mal hier zeigen. Wieder Rolleiflex, wieder Kodak Tri-X400, wieder HCD-S + HCD-2, wieder aus London.
Meine Freundin war noch mit der Nikon unterwegs, vielleicht wird es davon in naher Zukunft auch noch einige hier zu sehen geben, allerdings ist das Scannen von Kleinbildnegativen so nervig!





