Rückblickend betrachtet war 2011 eigentlich ein ziemlich gutes Jahr. Ich habe gelebt, gegessen, getrunken, geatmet, studiert, fotografiert, rumgeschaut, geblogt, bin in der Weltgeschichte rumgefahren und habe wahrscheinlich noch annähernd unendlich viele andere tolle Dinge gemacht und erlebt. Da man meiner Meinung nach kein neues Jahr braucht um irgendetwas in seinem Leben zu ändern, habe ich auch keine guten Vorsätze für dieses neue 2012, aber vermutlich wird es mindestens genauso super wie das vergangene Jahr.

Bis dahin, eine erinnerungswürdige Party und einen guten, prickelnden Rutsch in das neue Jahr.

Weihnachten. Die Zeit, in der man zur Ruhe kommen soll, die Zeit, die man mit den Menschen verbringen soll, die einem am Wichtigsten sind, die Zeit, die teilweise zur stressigsten Zeit des Jahres geworden ist. Der wahre Grund für Weihnachten ist in vielen Köpfen langsam verblasst, viele können sicher nicht mehr sagen, warum man dieses Fest feiert. Es ist ein Fest des Konsums und Kommerz geworden. Und wahrscheinlich ist dies auch gut so. Für die Wirtschaft. Seit Anfang Oktober mache ich mir nun schon Gedanken über die richtigen Weihnachtsgeschenke. Wem schenke ich etwas, und warum. Wie viel darf es kosten, und warum nicht mehr. Bastel ich etwas? Mache ich mir wirklich die richtigen Gedanken, kann der Mensch, dem ich das schenken möchte, dies überhaupt gebrauchen? Irgendwann hat man so gut wie alle Geschenke zusammen, geht die Sache noch einmal durch, stapelt alles auf dem Küchentisch. Ist es das wirklich wert? Wird es demjenigen gefallen? Wie verpacke ich es? Was mache ich, wenn es ihm nicht gefällt? Kenne ich ihn dann nicht gut genug oder ist es mir egal? Aber wie kann es mir egal sein, wenn ich ihm doch eine Freude machen will.

Heute hat es zum ersten Mal geschneit. Also hier bei uns. Es bleibt noch nicht allzu viel von der weißen Pracht liegen, aber immerhin. Und ich freute mich. Vermutlich wie ein kleines Kind. Hüpfte durch die Wohnung, stimmte Schneeflöckchen, Weißröckchen an und strahlte. Schnee ist wirklich was ganz Tolles. Außer man steckt auf der Autobahn fest, weil wieder irgendein Idiot dachte, er könne die Physik überlisten. Früher baute ich oft Iglus und Schneemänner, machte Schneeballschlachten, fuhr Schlitten. Damals, mit meinen Großeltern auf der Kuhwiese in Salzgitter. Danach haben wir Kekse gebacken und die Wohnung geschmückt. Mit der engsten Familie. Man sagte Gedichte auf, sang Weihnachtslieder und ging in die Kirche. Weihnachten. Und natürlich hat man sich auf den heiligen Abend gefreut, wenn der Tannenbaum hell erleuchtet im Wohnzimmer stand und unter ihm ein Haufen von Geschenken. Da strahlten die Augen.

Heute bin ich vierundzwanzig. Auch wenn dies noch nicht wirklich alt ist, hat man schon einige heilige Abende bewusst miterlebt. Zwischenzeitlich hatte man Konfirmation, hat etwas über die Kirche gelernt. Über Ostern. Über Weihnachten. Ich muss ehrlich zugeben, ich habe das Meiste schon wieder vergessen. Und ob ich wirklich gläubig bin, kann ich nicht sagen. Jedenfalls glaube ich nicht, dass dort oben irgendwo ein Mann mit langem Bart auf einer Wolke sitzt und über uns wacht. Und wir irgendwann, wenn wir sterben, dorthin reisen, vor der großen goldenen Pforte stehen und bis in alle Zeit im Paradies leben. Ich glaube auch nicht an Jesus, der von der Jungfrau Maria geboren wurde und durch die Lande zog und das Wort Gottes verkündete. Das ist einfach Irrsinn. Natürlich ist die Evolutionstheorie korrekt. Natürlich war das alles ein riesen großer Zufall, wie sich alles entwickelt hat. Wie wir uns entwickelt haben. Wenn man allerdings darüber nachdenkt, platzt einem der Kopf. Wenn man versucht sich die Ausdehnung des Universums vorzustellen, wenn man versucht sich vorzustellen, wohin es sich ausbreitet und was vor dem Urknall war, wo dieses Nichts existiert und warum. Und doch feiere ich Weihnachten. Und ich kenne den Grund. Doch er hat für mich einen anderen Stellenwert. Ich feiere nicht die Geburt Jesu, ich feiere meine Familie. Meine Familie, meine Freunde und mich. Meine Freundin. Alle Menschen, die mir wichtig sind. Ich feiere das Zusammensein. Und das ist gut so. Und egal wie stressig alles wird, ich freue mich darauf. Ich freue mich, Dinge zu verschenken und ich weiß, dass sie demjenigen gefallen werden. Ich freue mich auf das gute Essen mit der Familie. Auf die Weihnachtsmusik, die ich teilweise schrecklich finde, aber in dieser Zeit einfach total klasse. Ich freue mich auf den Kerzenschein, die Plätzchen und all den anderen weihnachtlichen Kram. Auf die Familie.

Die Geschenkanhänger sind gebastelt, heute Abend werden die Geschenke eingepackt und ein kleines Paket wird sich auf die Reise zu meinem Vater machen. Die Plätzchen in den Keksdosen werden langsam weniger. Ich werde wohl noch einmal backen müssen. Es sind nur noch vier Säckchen des Adventskalenders gefüllt. Zwei für mich, zwei für meine Freundin. Ich freue mich auf die Tage, an denen die Nachrichten einem egal sind, an denen man die Probleme vergisst und man einfach glücklich ist mit dem, was man hat.

Und da ich nicht singen kann, lerne ich für den heiligen Abend ein Gedicht. Tut das auch, es ist super. Ich lernte es schon einmal vor ewiger Zeit. Irgendwann als Kind und es ist das erste Gedicht, an das ich mich erinnern kann.

In diesem Sinne, frohe und besinnliche Weihnachten an alle.

Knecht Ruprecht.

Von drauß’ vom Walde komm ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelsthor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
„Hebe die Beine und spute dich schnell!
„Die Kerzen fangen zu brennen an,
„Das Himmelsthor ist aufgethan,
„Alt’ und Junge sollen nun
„Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
„Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,
„Denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
„Meine Reise fast zu Ende ist;
„Ich soll nur noch in diese Stadt,
„Wo’s eitel gute Kinder hat.“
- „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:
„Denn Aepfel, Nuß und Mandelkern
„Fressen fromme Kinder gern.“
- „Hast denn die Ruthe auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Ruthe, die ist hier:
„Doch für die Kinder nur, die schlechten,
„Die trifft sie auf den Theil den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
„So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’!
Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

(Theodor Storm, 1889)

Neulich hab ich eBay für mich entdeckt und auch schon das ein oder andere Schnäppchen gemacht, wovon ich demnächst auch noch einmal berichten werde. Heute geht es aber um meinen neuesten Schnapper, eine Pouva Start von irgendwann zwischen 1951 und 1954. Für 1€ + Versand nun wirklich ein Schnapper. Leider klemmt der Verschluss etwas, aber da wird wohl Kontaktspray-Ölgedönszeugs helfen. Das habe ich aber nicht da, bemerkte ich aber erst, nachdem ich sie aufgeschraubt hatte. Zusammenbauen mit Pinzette und einem kleinen Messer als Schraubendreherersatz, war wirklich ziemlich gammlig. Na jo, shit happens.

Ausgestattet ist die Pouva Start mit einem Klappsucher und einem Duplar 1:8 65mm Fixfokus-Objektiv. Die Blende kann mittels Schieber zwischen Sonne (f16 [die passt ja angeblich immer ;) ]) und Trüb (f8), die Verschlusszeit zwischen Moment (~1/25 sek.) und Zeit (Bulb) verstellt werden. Dreht man das Objektiv aus dem Gehäuse heraus, wird der Auslöser freigegeben und die Kamera ist bereit, die Umwelt auf 120er Rollfilm im Format 6×6 zu bannen.

Sollte ich die Kamera am Wochenende wieder zum Laufen kriegen, gibt es nächste Woche wohl die ersten paar Schnappschüsse. Aber man lobt den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend, oder so ähnlich.

Update. Ein bisschen Kontaktspray-Ölgedöns in Verbindung mit ein wenig Zangengebrauch und der Verschluss der Pouva scheint wieder einwandfrei zu funktionieren. Auf dem Weg zur Uni werd ich nachher wohl schnell den ersten Testfilm belichten und das Beste hoffen.

Anfang 2011 sah ich eine Dokumentation über Jim Rakete. Seit diesem Zeitpunkt bin ich ziemlich fasziniert von seiner Arbeitsweise und seinen Bildern. Ein kurzer Blick in das wohl größte Internetwarenhaus, schon war das Objekt der Begierde gefunden, der Bildband Jim Rakete – 1/8sec. Vertraute Fremde. Leider war er mir ein wenig zu teuer, weshalb ich erstmal darauf verzichtete.

Fünf Monate später kam meine Freundin abends von der Uni und brachte einen Flyer mit. Auf der Vorderseite war ein Portrait, welches Jim zeigte, auf der Rückseite stand, dass er in der Braunschweiger Kunsthochschule zu Besuch sein würde, über sich und sein Leben erzähle und sich den Fragen der Anwesenden stelle. Man muss sagen, der Typ ist echt sympathisch. Und macht tolle Fotos. Und überhaupt. Und dann bekam ich im Sommer zum Geburtstag auch noch eben diesen Bildband – hach!

Was er alles gemacht hat und wen er vor der Linse hatte, könnt ihr auf seiner Homepage erfahren. Dort findet man auch all seine Bücher mit passender ISBN und einiges mehr. Vor allem aber Bilder. Und um euch die Sache jetzt noch ein wenig schmackhafter zu machen, wollte ich hier ein paar Beispiele aus dem Buch Jim Rakete – 1/8sec zeigen, da ich mir aber der rechtlichen Sache mal wieder nicht sicher war, habe ich es gelassen. Falls sich da jemand auskennt, ob es rechtlich okay ist, Bilder teilweise aus einem Buch abfotografiert, mit einem Vermerk auf den Urheber, hier zu zeigen, lasst es mich bitte wissen. Kommentare, Google+, oder wo auch immer…

Zum dritten Advent gibt es heute London Ⅲ. Die ersten beiden Teile gibt es hier und hier. Einige der Bilder sind aus den Fingern meiner Freundin, andere von mir. Und alle aus der Nikon. Na ja, mehr gibt es nicht zu sagen.

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