… und wird für mich ein ziemliches Arschlochsemester. Ich habe dieses furchtbar tolle Talent, Dinge, die mir nicht gefallen und an denen ich keinen Spaß habe, einfach wegzuschieben und zu vergessen, oder mit Glück irgendwann später einmal zu machen. Darunter fällt zum Beispiel Fensterputzen, Staubwischen und ähnliches. Leider aber auch das Hören von Vorlesungen. Man trifft im Laufe seines Studiums auf einige Vorlesungen, deren Themen einen einfach schlicht und ergreifend überhaupt nicht tangieren. Sie sind einfach nicht interessant genug um sich dafür aufzuraffen.
(Falls dies die betreffenden Professoren lesen sollten, was ich aber absolut bezweifle: Es tut mir leid, aber Sie haben einfach scheiß Themen! Und Ihr Vortragsstil trägt nicht unbedingt dazu bei, die Vorlesung in irgendeiner Art und Weise spannender zu gestalten. Im Gegenteil.)
Und das aller schlimmste ist ja, die Veranstaltungen sind Pflicht. PFLICHT. Auf der Uni. Nicht, dass ich nur Hausaufgaben abzugeben habe um die Prüfung schreiben zu dürfen, nein, ich muss auch noch Dinge besuchen, die mich nicht interessieren. Grundlagen und so. Spannend. Nicht. Aber das war vermutlich schon immer so. Tja, so ist es nun mal. Aber wenn man an das Ende seines Studiums kommt, stehen dort einfach noch keine Noten, die nötigen Kreditpunkte (hach!) sind noch nicht gesammelt. Und so werde ich also fast alle (einige von diesen habe ich Gott sei Dank zwischendurch immer mal gehört) von diesen Arschlochvorlesungen dieses Semester hören und mich durch die Prüfungen quälen.
Ein kleines Trostpflaster bleibt. Ich schreibe zeitgleich an meiner Bachelorarbeit. Thema ist was total interessantes, theoretisches, abgefahrenes… exploration of grid graphs. Vermutlich werde ich dazu zu gegebener Zeit etwas detaillierteres schreiben, aber im Groben und Ganzen geht es erstmal um Punkte, die über Linien unter bestimmten Voraussetzungen miteinander verbunden irgendwo in der Ebene liegen und die man sich ganz gerne mal angucken will. So in etwa jedenfalls.
Also dann, horri-D’OH !
Cyanotypie hab ich ja schon einige Male ausprobieren können, allerdings noch nie allein zu Haus mit dem neu gekauften UV-Strahler, der eigenen Chemie, dem eigens angerührten Stoppbad und der knackigmachenden Flüssigkeit am Ende. Voller Vorfreude druckte ich Negative auf Transparentpapier, baute in der Küche alles fleißig auf, rührte die Bäder an und legte los. Die Vorfreude wich, die Enttäuschung kam. Ich benutzte Papier, welches ich vor einiger Zeit schon mit Chemie tränkte und dunkel aufbewahrte. Nun, das war zu lang. Eindeutig. Die Bilder waren fleckig, ungleichmäßig und schrecklich belichtet, verschwommen, …
Nächster Tag, neues Glück. Auf zu Spürsinn und A4 Büttenpapier gekauft. Hach, davon träumte ich ja schon lang. Wieder einige Negative bearbeitet und auf BluePrint ausgedruckt. Tja, und schon wieder Enttäuschung. Nicht darüber, dass der Drucker nicht jedes Detail des Negativs drucken kann, denn das war mir bewusst, nicht aber, dass die Auswurfplatte, auf der die gedruckten Seiten landen, so dermaßen bescheiden konstruiert wurde, das sich das Papier dort verhakt und knitterig und ein wenig verschmiert aus dem Drucker kommt. (Passiert bei normalem Papier nicht, aber das Transparentpapier scheint durch den Druck ein wenig gewellt aus dem Drucker zu kommen.) Beim nächsten Mal also die Hand drunter halten, dann schnurrt’s.
Nun ja, noch mal ausdrucken wäre zu teuer und da ich sowieso erstmal den Strahler und die Bäder testen wollte, sollte es genügen. Und mit den Ergebnissen bin ich doch recht zufrieden. Erkenntnisse gab es aber auch. Viele sogar. Zum einen ist mein UV-Strahler nicht so stark, so dass ich die Belichtungszeit verlängern muss. Zum anderen habe ich nicht mit der nötigen Sorgfalt an den Negativen gearbeitet, so dass einige Teile leider zu hell, andere viel zu dunkel sind. Aber man lernt ja noch. Gott sei Dank.

Die Towerbridge, aufgenommen mit der Nikon FE auf Ilford FP4+, entwickelt in HCD-S und HCD-2, eingescannt, ausgedruckt auf BluePrint, auf A4 Büttenpapier cyanotypisiert. In Natura und im Rahmen sieht der Druck bei weitem noch besser aus, ist aber dann nur bei mir zu Haus zu bewundern
Analog ist bei mir unweigerlich mit Digital verbunden. Ob sich das irgendwann mal in die eine oder andere Richtung verändert, weiß ich nicht, glaube ich aber auch nicht. Die Mischung aus beidem ist einfach klasse. Ich belichte Film analog, scanne die Negative ein und bearbeite ein klein wenig digital nach. Und bestelle Abzüge. Digital über das Netz. Drucke Negative auf Spürsinns BluePrint aus und erstelle Cyanotypien. Anatal oder digilog. Irgendwas von beidem. Es macht Spaß so, es ist richtig so, jedenfalls in meinen Augen.
Seit dem ich mich mit analoger Fotografie befasse, geht mir die Schnelligkeit des Digitalen ziemlich auf die Eier. Teilweise kann man moderne Kameras mit einem Maschinengewehr vergleichen, Fototouren werden zur motivverachtenden Jagd; ansetzen, fokussieren, abdrücken, weiter. Dank Burstmode und schnellem Autofokus hat man schnell Motive eingesackt und zugeschnürrt. Nun noch jemand der dir sagt, wann du deine Kamera wohin halten sollst und schon kannst du getrost das Hirn abschalten.
Gott sei Dank merkte ich schnell, dass dies nicht meine Fotografie ist. Wobei ich noch immer nicht genau weiß, was nun »meine« Fotografie ist, aber dazu vielleicht ein anderes mal.
Eine grundlegende Eigenschaft sticht aber schon mal heraus: Langsamkeit. Verschlusszeiten spielen in diesem Zusammenhang allerdings keine Rolle. Ich weiß nicht, ob Langsamkeit das richtige Wort ist, ich weiß im Moment nicht mal, ob es dieses Wort überhaupt gibt. Vermutlich aber schon. Entschleunigung. Ich muss mich mit einem Motiv befassen, muss es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten oder ganz instinktiv genau in diesem Moment die Aufnahme machen. Dafür brauch ich keine 10 Bilder pro Sekunde oder Objektive, die in Bruchteilen von Sekunden auf den gewünschen Punkt fokussieren.
Genau dies ist der Grund, wieso meine DSLR in der letzten Zeit lieber im Schrank lag, als mit mir auf die Straße oder in die Natur zu gehen und wieso sie zwar die Reise nach London antrat, dort aber kein einziges Mal die Londoner Luft spürte, sondern dunkel und einsam die Zeit im Hotelsafe verbrachte. Dies hoffe ich jetzt in den Griff bekommen zu haben, denn wie ich anfangs schrieb, existieren in meinen Augen durchaus Vorteile in der digitalen Fotografie, welche ich auch nicht unbedingt missen möchte. Manchmal jedenfalls. Um etwas gegen die Schnelligkeit und Vergänglichkeit zu unternehmen, habe ich mich auf die Suche nach einer Lösung gemacht und habe sie denke ich gefunden.
Vielleicht für einige nicht zu verstehen, setze ich ab jetzt ausschließlich auf manuelle Fokussierung, um mich auch digital wieder mehr mit dem Motiv und dem Thema an sich zu befassen. Und um überhaupt nicht in die Versuchung kommen zu können, auf Autofokus zu stellen, werden meine Objektive dieses super tolle absolut oberaffengeile Feature gar nicht mehr unterstützen. Die Lösung fand sich bei Zeiss. Mein treues Canon 50mm Objektiv verkauft, das neue 50er Planar von Zeiss gekauft. Tja, und nach den ersten Testfotos bleibt nur ein YAY! Absolut smoooooothiges Fokussieren, tolle Abbildungsleistung, schön schwer, einfach klasse. Bilder mit dem Zeiss wird es irgendwann in naher Zukunft geben, heute erstmal welche vom Zeiss.
Ach ja, ich bin glücklich!


