(Wenn ihr es nicht so mit Fotos habt, denkt bei Foto einfach an Musik, oder Filme, oder Essen, Kleidung, …)

Die ewige Frage nach dem perfekten Foto. Sitzt die Schärfe auf den Augen? Blumigschönes, cremiges Bokeh oder doch eher unruhig? Was machen die Farben? Sind die Linien durch den Weitwinkel perspektivisch verzerrt? 4:3 oder 16:9? Wieso nicht im Quadrat? Das Bild kippt etwas, das muss korrigiert werden! Die Ränder sind ganz schön abgeschattet, wirklich schön sieht das nicht aus. Und die Perspektive ist irgendwie auch nicht die Beste. Kinder von oben? Und dann auch noch mit Blende 11? Das geht doch nicht! Und dieses Korn, oh mein Gott, wie kann man das nur gut finden?!

Die ewige Suche nach dem perfekten Foto. Man wird im Internet mit annähernd perfekten Bildern überschüttet. Die perfekte Frau, das perfekte Cabrio, der perfekte Strand, der perfekte Sonnenuntergang. Und womöglich noch alles auf einem Foto.

Bilder die man gerade noch für absolut klasse befunden hat, verlieren just in diesem Moment an Wert. Aufgrund eines anderen Bildes. Weil dort die Farben schöner sind. Oder die Perspektive. Oder weil ein besseres Objektiv benutzt wurde. Oder, oder, oder. Aber warum? Sind nur technisch perfekte Bilder auch wirklich perfekt? Und wieso darf mir ein Bild nur dann gefallen, wenn es auch allen anderen gefällt? Warum können Bilder nicht für sich allein stehen und toll sein? Wieso wird überall verglichen? Ständig.

Neulich sagte mir jemand, wenn man einmal mit einer DSLR fotografiert hat, will man nie wieder eine analoge Kamera in der Hand halten. Bei so einer Aussage könnte ich im Dreieck springen. Oder doch eher im Quadrat? Aber ich weiß, viele werden so denken. Viele werden sagen: Ach, analoge Fotografie ist doch total veraltet, digital habe ich viel mehr Möglichkeiten, ich kann direkt schauen wie das Bild in etwa geworden ist und, und, und. Pech für euch, aber okay. Für mich.

Wieso wird einem überall versucht eine Meinung aufzudrücken? Verrückte Welt. Ich mag analoge Fotografie. Ich mag digitale Fotografie. Ich mag Bilder die Kippen. Aber nicht immer. Manchmal im Quadrat, oder aber auch als Rechteck. Möglicherweise in schwarzweiß, teils auch in Farbe. Mit und ohne Korn. Sie müssen nur eins gemeinsam haben, eine Seele. Sie müssen mich begeistern. Auf ihre ganz eigene, spezielle Art. Genau dies sind die perfekten Bilder. Für mich.

Letztens zeigte ich hier ein paar Bilder aus London. Ich wedelte ein wenig mit dem Pinsel auf den Negativen herum, um unnötigen Staub zu entfernen. Einiges ist trotzdem darauf. Ich mag es. Ich schaffte es neulich nicht, einen Kleinbildfilm auf die Entwicklerspule aufzufädeln, der Film wollte einfach nicht so wie ich, hatte am Ende Knicke und Schrammen. (An dieser Stelle noch mal vielen Dank an Frauke und Micha für die schnelle Hilfe.) Als der Film aus der Dose kam, er getrocknet war und ich die Bilder auf dem Computer hatte, fand ich es alles ganz prima, sympathisch. Ich mochte die Schrammen. Die Bilder haben eine Extraportion Geschichte eingehaucht bekommen. Viele werden sie nicht mögen. Na und? Es sind meine, meine eigenen Bilder (und teilweise die meiner Freundin), zu aller erst müssen sie mir (und ihre ihr) gefallen. Wenn sie es bei anderen schaffen, freut es natürlich umso mehr.

Was ich sagen will? Ich weiß es nicht genau. Aber irgendwie geht es um Geschmack. Rückgrat. Identität. So was in der Art. Fotografiert wie ihr wollt. Mögt Bilder, die euch gefallen. Teilt eure Meinung, sei sie nun positiver oder negativer Natur. Oder lasst es. (Wobei Meinungen à la: »Find ich total scheiße!« meiner Meinung nach absolut nicht helfen.) Aber lasst euch keine Meinung aufzwängen. Nur weil ein Gemälde oder Bild mehrere Millionen Euro wert ist, muss es trotzdem nicht allen gefallen. Und das ist gut so. Individuell und so.

Was auch immer…

Da ich mich nicht entscheiden konnte und mir diese Bilder nun auch wirklich richtig dolle gefallen, durften sie natürlich nicht auf der Festplatte versauern. Abzüge werde ich sowieso von allen bestellen, aber diese möchte ich auch noch mal hier zeigen. Wieder Rolleiflex, wieder Kodak Tri-X400, wieder HCD-S + HCD-2, wieder aus London.

Meine Freundin war noch mit der Nikon unterwegs, vielleicht wird es davon in naher Zukunft auch noch einige hier zu sehen geben, allerdings ist das Scannen von Kleinbildnegativen so nervig!

Letzte Woche war ich fünf Tage mit meiner Freundin in London. Im Großen und Ganzen war es wirklich toll. Die Stadt hat einiges zu bieten, und dies nicht nur in Sachen Sehenswürdigkeiten. Noch nie zuvor habe ich so viele Nationalitäten auf einem Haufen gesehen, noch nie waren die Unterschiede zwischen arm und reich so greifbar, noch nie waren die Eintrittspreise in Sehenswürdigkeiten so hoch, noch nie habe ich für einen einfachen Caesar Salat umgerechnet etwa 16€ bezahlt. London ist teuer, toll, dreckig, sehenswert, grausam, voll, …

Nun aber ohne weitere Quasseleien ein paar Eindrücke. Festgehalten mit meiner lieben Rolleiflex auf Kodak Tri-X400. Hach <3

Spürsinns HCD-S ist einfach <3 !!