In vielerlei Hinsicht ist es mein erster Film gewesen. Der erste Film in der neuen, alten Rolleiflex, der erste Film den ich komplett selbst entwickelt habe, der erste Film den ich zuhause entwickelte, der erste Film, den ich mit meinem neuen Scanner einscannte und auch der erste Film, bei dem ich die Entwicklung direkt versaut habe. Dazu aber später mehr.

Wie ich ja bereits freudestrahlend berichtete, habe ich eine Rolleiflex ergattert. Nun, die musste ja auch auf Funktion getestet werden, also kam direkt ein HP5 hinein (auf ISO100 belichtet), dann ein wenig mit Tillas Belichtungsmesser und der Kamera durch die Gegend gewandert und so relativ jeden Mist fotografisch festgehalten. Danach mit Tillas Wechselsack (mittlerweile ist mein eigener auch da) nach Haus und den Film entwickelt. Nun ist auch mein Scanner, ein Epson v500, angekommen und ich habe die Negative eingescannt.

Tja, und die Entwicklung habe ich natürlich direkt mal versaut. Den Fixierer 1:3 angesetzt (normal 1:4 bis 1:7), bei dem Entwickler nicht auf die Temperatur (normal 20°C; Wasser kam direkt aus der Leitung, hatte aber auch so etwa 22°C) geachtet, die Entwicklungszeit und Fixierzeit irgendwie auch relativ Pi mal Daumen und aus dem Bauch heraus entschieden, da ich zu spät die Uhr anstellte. Also eigentlich alles, was man falsch machen kann, ging schief. Aber es sind trotzdem ganz ordentliche Bilder bei rausgekommen und ich freu mich. Riesig. Zum einen, dass die Rolleiflex gut funktioniert, zum anderen natürlich, dass die Entwicklung doch ganz gut geklappt hat, mein Wechselsack und der Scanner da sind und ich nun alles fix zuhause entwickeln und bearbeiten kann.

Lange Rede, kurzer Sinn, hier sind ein paar Bilder.

Also mal ganz ehrlich, ist es wirklich so schwer die Mundwinkel mal ein wenig hochzuziehen? Nur ein ganz klein wenig? Man geht in die Stadt und könnte meinen, jeder einzelne hat gerade die Nachricht über den baldigen Tod oder eine ähnlich lebensverändernde Neuigkeit erhalten. Gehen denn heute wirklich alle zum Lachen in den Keller? Haben alle grauen Star oder wieso ist ihnen das Funkeln aus den Augen gewichen? Keine Lebensfreude mehr? Klar läuft nicht immer alles super, man hat mal einen schlechteren Tag, ist krank oder sonstiges. Aber ist das wirklich Grund genug, gleich alle Gesichtsmuskeln hängen zu lassen?

Man sitzt mit Freunden irgendwo in einem Café, erzählt und lacht und wird von angrenzenden Miesepetern, Stinkstiefeln oder sonstigen chronisch schlechte-Laune-habenden Menschen blöd angeguckt und kassiert zu allem Überfluss womöglich auch noch einen dummen Spruch. Stört mich alles nicht weiter, denn schlechte Laune ist zum Glück nicht willkürlich ansteckend. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob ich wirklich mal durchgängig einen Tag lang schlecht gelaunt war. Na ja, vielleicht bin ich ja eine Ausnahme? Ich hoffe nicht.

Ein Lächeln, Lachen oder Schmunzeln kostet nichts, versüßt einem den Tag, hält einen am Leben. Und es sieht im Allgemeinen auch noch wesentlich besser aus, als irgendeine Trauermiene. Und wie wir alle wissen;

Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag. Charlie Chaplin

Also, geht raus, lacht was das Zeug hält, habt gute Laune und tut euch selbst einen Gefallen damit.

(Ausgenommen natürlich alle Menschen, denen wirklich gerade etwas schlimmes passierte, aber das kann absolut nicht die Mehrheit sein!)

Zaz

Zaz. Aberwitziges Wort. Ein Sinn erschließt sich mir nicht und jeder Versuch es auszusprechen klingt hart und kantig. Nicht schön. Setzt man allerdings z gleich s, klingt es weicher, bekommt es einen gewissen Charme. Zaz, 1980 als Isabelle Geffroy geboren, ist eine französische Sängerin. Ich habe nicht viel Ahnung von Musik, aber es soll in die Richtung Nouvelle-Chanson gehen. Na ja, sei’s drum. Ich kaufte ihr Album. Aufgrund des Liedes Nummer zwei auf dem Album – »je veux«. Und ich muss sagen, ich bin froh es getan zu haben. Sie singt über Leben, Liebe, Freiheit und Glück, nachdenklich oder voller Freude.

Ich versteh allerdings kaum ein Wort. Die ein oder andere Vokabel, das war es dann aber auch. Und trotzdem macht das Album Spaß. Viel, viel Spaß. Man hört einfach zu. Der Melody und ihrer Stimme. Ohne sich groß Gedanken über Text und Sinn der Lieder zu machen. Sei es beim Autofahren oder beim Kochen, ein gewisser Swing, eine Prise Leichtigkeit macht sich breit. Hervorragend. Kaufen. Los!

Ach ja, das Album heißt übrigens Zaz, besitzt elf Lieder und gibt es zum Beispiel bei iTunes schon für 9 Taler 99.

Was sie mit ihren zwei Augen schon alles erlebt und gesehen hat, wird kaum zu sagen sein. Vielleicht lag sie die letzten zwanzig Jahre irgendwo in einer Kiste, vergessen unter all den alten Schallplatten, zusammen mit einer alten Voigtländer, Opfer des technischen Fortschritts. Vielleicht stand sie in einer Vitrine, zur Dekoration, neben altem, wertvollen Porzellan. Vielleicht wussten ihre Vorbesitzer aber auch um ihre Qualität, vertrauten ihr guten Film an, trugen sie hinaus, hinaus auf die Straßen, spannten ihren Verschluss, betätigten den Auslöser.

Etwa 60 Jahre muss es her sein, da verließ sie die Werkstatt für Feinmechanik und Optik, Franke & Heidecke, ansässig in der Salzdahlumer Straße 196 in Braunschweig. Sie galt als Meilenstein in der Kameraentwicklung. Schön, elegant. Divaähnliches Verhalten kennt sie nicht. Ihre Mechanik ist leichtgängig, ihr Sucher hell und sie versprüht wahre Freude. Freude am Schauen, am Spannen (womit weiß Gott keine Straftat gemeint ist), am Auslösen. Am Bauch fühlt sie sich besonders wohl, scheut aber dennoch keine noch so ausgefeilte Verrenkung.

Mein Traum war es immer, eine bei mir zu haben, mit ihr zusammen meine Umwelt wahrzunehmen. Ich kann nicht sagen, wann mir der Gedanke an die Fotografie kam. Als Kind spielte ich mit einer einfachen analogen Plastikkamera herum, verlor sie. Irgendwann kam die erste Digicam. Einfach, weil ich zu dieser Zeit geboren wurde, weil ich unweigerlich Teil des technischen Fortschrittes war und bin. Ich bin nicht böse darum, erfreue ich mich doch täglich an der Einfachheit mancher Dinge, an den Möglichkeiten, die dieser Fortschritt mit sich brachte und immer noch bringt. Nach der digitalen Spiegelreflexkamera muss nun aber ein Rückschritt her. Ein 60 jähriger Rückschritt, der sich allerdings ganz anders anfühlt. Wie ein Fortschritt. Ein Fortschritt in Sachen Kreativität und Freiheit. In Sachen Selbsterkenntnis.

Sie ist ein Stück Kamerageschichte. Ein großes Stück. Und sie hat, trotz ihres Alters, nichts an ihrer Faszination verloren. Die Rolleiflex ist vollkommen mechanisch aufgebaut. Sie braucht keine Batterie um zu funktionieren. Sie hat nicht einmal ein Fach für eine vorgesehen. Nimmt man sie in die Hand, fühlt sie sich schwer und kantig an, zeitgleich aber elegant und sanft. Die Rädchen drehen lautlos, der Verschluss klackt leise. Und das seit über 60 Jahren.

Sie ist zurück. Zurück in Braunschweig. 1951 ist 2011.

Der vergangene Sonntag war super. Workshop stand auf dem Programm. Workshop bei Spürsinn. Cyanotypie. Mir geht dieses Blau einfach nicht mehr aus dem Kopf. Da ich ja schon einmal in die Cyanotypie reinschnuppern durfte, wusste ich im Groben schon was auf mich zukommen würde, lernte allerdings trotzdem noch eine Menge. Der grobe Ablauf war Begrüßung, Einführung, Papier vorbereiten, Papier- und Pinselkunde, Negativbearbeitung, Cyanotypien erstellen. Wir sollten einige analoge oder digitale Negative mitbringen, um eine Grundlage für unsere Cyanotypien zu haben. Blöderweise habe ich meine Bilder mit zu geringer Auflösung gespeichert und sie in Sachen Kontrast auch nicht stark genug bearbeitet. Und natürlich nahm ich mein MacBook nicht mit, da ich ja alles auf dem Stick dabei hatte. Ja ja. Ging aber trotzdem irgendwie.

Die wichtigste Information, oder besser Erfahrung, die ich aus dem Kurs mitnahm, da ich ja nun schon wusste wie die Bilder entstehen, wie das Papier bestrichen werden muss, wie lang es trocknen muss, wie lang es belichtet wird und welche Chemiebäder es nach der Belichtung nehmen darf, war die, dass die Negative so stark im Kontrast bearbeitet werden müssen, das man sie sich so nicht mehr an die Wand hängen würde. (Was ein beschissener Satz!) Genau dann sind sie als Vorlage für eine Cyanotypie geeignet. Also – dem Augenkrebsrisiko mutig entgegentreten, es lohnt sich.

Jeder hat allerdings ein anderes ästhetisches Empfinden und wird seine Cyanotypien diesem entsprechend anpassen. Es gibt nämlich schon einige Parameter, an denen man ziehen und schieben kann, um seinen komplett eigenen Stil in die Bilder zu bringen. Wie soll zum Beispiel der Rand aussehen? Eher gleichmäßig oder ausgefranst? Wie groß wird das Negativ abgebildet? Welches Papier verwende ich? Bestreiche ich das Papier doppelt, damit das Blau gegebenenfalls noch intensiver wird? Na ja, und so weiter.

Zum Abschluss noch ein einigermaßen gelungenes Bild aus dem Kurs und ein großes Dankeschön an Frauke und Michael! (Das Bild war mal ein analoges Kleinbildnegativ – eingescannt, bearbeitet und vergrößert auf Spürsinn BluePrint ausgedruckt und dann als Negativ für die Cyanotypie benutzt.)

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