fehlt. Am Dienstag stand die Klausur im Fach Algebra auf dem Programm. Die Vorlesung dazu war relativ einschläfernd, wurde doch nicht wirklich der Stoff vermittelt, den ich mir erhoffte. Nun ja, sei’s drum. Im Anschluss an jeden Vorlesungsblock wurden einige Aufgaben an die Tafel geschrieben, die, wenn man denn so motiviert war, bearbeitet werden konnten. Ich war es jedenfalls nicht. Jeden Freitag von 8:00 bis 8:45 Uhr wurden die Aufgaben kurz an der Tafel vorgestellt. Samt Lösung. Leider konnte ich diese Übung nicht wahrnehmen, was auf meinen Schlafrhythmus oder meine innere Uhr zurückzuführen ist, denn diese waren Freitag früh noch nicht in der Lage, mich aus dem Bett zu werfen. War aber auch nicht weiter schlimm.
Eine Woche vor der Klausur wurde ein wenig in alten Unterlagen, den Übungsaufgaben und Übungsklausuren gewühlt, das passende rausgepickt und ein wenig gelernt. Es sollten, so viel stand eigentlich fest, nur Rechenaufgaben und keine Definitionsabfragen Teil der Klausur werden. Relativ gelassen ging ich also ans Lernen. Traf mich das ein oder andere Mal mit einem Kumpel, wir diskutierten über Aufgaben, lösten sie danach und lächelten hinterher etwas überschwänglich, denn wir wussten, die Klausur sollte ein Klacks werden.
Dienstag, die Zeit wurde ziemlich knapp, kamen wir relativ spät am Ort des Geschehens an. Hier und da noch ein wenig rumgedrugse, die Klausur wurde verteilt, Handy aus, Tasche vom Tisch, Studentenausweis vorlegen. Der erste Blick auf die Klausur, der Zweite aus dem Fenster. Ich überlegte schon, was ich mit der ganzen Zeit anfangen sollte. Die Klausur war so, wie erwartet. Die Aufgabentypen waren ähnlich, das Lösen war leicht. Nach 30 Minuten war ich fertig. Die Klausur noch ein, zweimal durchgehen um Flüchtigkeits- und Schusseligkeitsfehlern vorzubeugen, ich bin nämlich prädestiniert für solche Art von Fehlern, aber ich konnte meinem Gekritzel nichts mehr hinzufügen. Alles war perfekt. Die Eins Komma Null lag vor mir.
Der Schreck sollte heute folgen. Klausureinsicht war zwei Tage nach dem Klausurtermin, was ich als relativ kurz empfand, nachdem ich die Klausur aber sah, war mir bewusst, dass man nicht so ewig brauchen würde, um sie zu korrigieren. Im fünften Stock des Forumgebäudes der TU Braunschweig fand die Klausureinsicht statt. Noten hingen, wie vorher allerdings angekündigt, nicht aus. Also rein zum Professor, kurz meinen Namen sagen, Klausur ausgehändigt bekommen. 16,5 von 20 Punkten. Nach dem sich der erste Schock legte, schaute ich mir die Aufgaben an. Ich blätterte einmal schnell durch, überflog meine Antworten und konnte nirgends einen Fehler entdecken. Nirgends war etwas durchgestrichen. Es war alles korrekt. Wie erwartet. Dann las ich mir den roten Text an jeder einzelnen Aufgabe durch. »Begründung?« »Begründung fehlt.« »Warum?«
Diese drei Wortfetzen waren überall zu lesen. Und daneben immer ein »Minus 0,5«. Bei der einen Aufgabe wurde mir sogar ein ganzer Punkt abgezogen, obwohl sie komplett richtig war. Diesen konnte ich noch auf einen halben Punkt Abzug runterdrücken, auch wenn ich nicht gern um meine Note diskutiere, in diesem Fall war es wirklich nötig und auch berechtigt. Im Endeffekt bin ich mit 17/20 Punkten und einer 1.7 wieder aus dem Raum gegangen.
Jetzt könnte man natürlich denken, dass ich ja relativ gut bei weggekommen bin, wenn ich überall keine Begründung hingeschrieben habe, keinen Rechenweg und die Lösung auch einfach vom Nachbarn hätte abschreiben können. Nun ja, eine Begründung stand schon dabei, Rechenwege waren auch korrekt aufgeschrieben, allerdings fehlte mir die entscheidende Begründung. (Schlüpfergummi festhalten, es wird spannend.) Diese entscheidende Begründung lautete nämlich: »Nach Vorlesung gilt, …« Hätte ich diese drei Worte vor jede Aufgabe gesetzt, hätte ich annähernd (in der einen Aufgabe definierte ich gleichzeitig eine Restklasse mit der Variablen »a«, als auch ein Element aus dem Faktorring, was nicht ganz korrekt war, weswegen ein Abzug von 0,5 Punkten gerechtfertigt war, seh ich ein) volle Punktzahl gehabt und wäre mit meiner sicher geglaubten 1.0 nach Hause gegangen. Tat ich aber nicht. Warum? Weil es völlig willkürlicher Schwachsinn ist. Denn ich habe die Aufgaben mit Methoden der Vorlesung gelöst. Mein einziger Fehler war es, es nicht noch einmal explizit zu erwähnen. »Nach Vorlesung gilt, …«

Seit heute ist der Löwe los. Apple stellte sein neues Betriebssystem zum Download im App Store bereit. 23,99€. Für ein komplettes Betriebssystem. War damals beim letzten Update auf den Schneeleoparden ähnlich und von Preis her absolut fair. Davon kann jeder Windows-Mensch nur träumen. Einige Programme wie Mail und iCal wurden geändert, einige neue Funktionen wie Versions kamen hinzu. Insgesamt über 250 neue Features.
Über Twitter kam gegen 14:30 Uhr die Meldung, der Löwe sei da. Ein kurzer Blick in den App Store, ein Klick auf den Kaufbutton und schon begann der Download. Schnell installiert und die ersten neuen Funktionen getestet. Bis jetzt bin ich vollkommen zufrieden und froh, das Geld investiert zu haben. Was Versions so kann, werd ich die Tage mal testen. Einzig vom Launchpad bin ich etwas enttäuscht. Bringt mir irgendwie keinen Mehrwert zum Suchen des Programms im Finder oder dem Öffnen mit Alfred. Aber vielleicht übersehe ich auch den entscheidenden Vorteil.
Die Cyanotypie ist ein sehr altes Edeldruckverfahren. 1842 von Sir John Herschel entwickelt, erlebte es seine Blütezeit bis in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts. Was ist es überhaupt und worum geht es? Es geht darum, ein lichtstabiles Bild zu erschaffen. Und dies mit »einfachsten« Mitteln. Bilder, die man in dieser Art vielleicht noch nicht gesehen hat. Um diese herzustellen, nutzt man die Lichtempfindlichkeit von bestimmten Eisensalzen aus, welche unter dem Einfluss von UV-Strahlung wasserunlösliche Kristalle bilden und dann das Bild ergeben.
Ich habe das letztens auch mal ausprobiert. Wo? Bei Spürsinn. Natürlich. Die dachten sich nämlich, dass dieses alte Verfahren nicht in Vergessenheit geraten sollte und entwickeln fleißig an Chemie, Pinseln und Papier, um es für jedermann zugänglich zu machen. Alles nötige kann man übrigens auch schon in ihrem Shop kaufen.
Wie funktioniert das Verfahren überhaupt? Zuerst trägt man die Cyanotypie-Emulsion mit einem Pinsel auf das Papier auf. Danach wird es ins Dunkle zum Trocknen gelegt. Man sucht sich ein Negativ, welches man auf dem Papier abbilden möchte, legt dieses auf das getrocknete Papier mit der Emulsion, eine Glasscheibe darüber und dann ab damit in den Ofen. Ach ne, in die Sonne. Höhö, blöder Gag. So. In der Sonne erfolgt die Belichtung. Zum Teil jedenfalls. Für die genaue Erklärung bitte an Michael wenden, der hat da wirklich Ahnung von. (Also einfach mal zu Spürsinn fahren, fleißig einkaufen und nebenbei noch, in einer freien Minute, ein paar interessante Infos abgreifen.) Danach ins Stopbad damit und die überschüssige Lösung, die wasserlöslichen Kristalle, auswaschen. Nun noch mal eine Runde wässern, um die Belichtung endgültig abzuschließen und dann fix in die »Komm-lass-mal-Knacken-Lösung«. Wenn ich euch jetzt sage, dass das Bild danach einfach so unglaublich cool aussieht, glaubt man das sowieso nicht, bis man es nicht selbst einmal gemacht hat. Jedenfalls ändert sich die Farbe von einem schwachen Blaugrün, in ein stark dunkles Blau. Die Lösung fixiert gleichzeitig das Bild und man kann es danach zum Trocknen legen.
Da ich leider noch keine Mittel- oder Großformatkamera habe, hatte ich nur die Negativstreifen des Kleinbilds zur Verfügung und habe diese auf das Papier gelegt. Mehr Spaß macht es sicherlich mit größeren Negativen oder auch Fotoserien die hintereinander auf den Negativstreifen abgebildet sind. Um größere Negative benutzen zu können, ist aber nicht zwingend ein größeres Aufnahmeformat nötig, man kann auch die Kleinbildnegative einscannen, die Bilder bearbeiten und per Bildbearbeitungssoftware wieder in ein größeres Negativ umwandeln. Dann auf Folie ausdrucken und das dann auf das lichtempfindliche Papier legen.
Eine andere Möglichkeit die Cyanotypie einzusetzen, ist das Herstellen von sogenannten Fotogrammen. Hier wird beispielsweise eine Glühbirne direkt auf das Papier gelegt und dann belichtet. Man lässt den Zwischenschritt Kamera quasi fallen. Dadurch entsteht auf dem Papier kein Positiv, sondern ein Negativ. Dies ist etwas unnatürlich, da wir diese Art von Bild nicht gewohnt sind, aber durchaus spannend. Man sieht also, die Cyanotypie birgt massenhaft Potential sich künstlerisch auszulassen. Und es macht wirklich Spaß.





Alex hat mich vor einigen Wochen auf ein Brotrezept aufmerksam gemacht. Isabel schreibt dort, Brot backen sei total einfach, man könne nichts falsch machen und es gelingt einfach. Tja, ich wollte ja immer schon mal Brot backen. Also kurz die Zutaten rausgesucht, zusammengemixt, gewartet, gebacken, gegessen, genossen. Es ist echt klasse. Knackige Kruste, fluffig saftige Krume. Und auch drei Tage später war es noch nicht trocken oder fad. Mittlerweile haben wir zwei mal Brot gebacken; einmal ging es eher so in die Ciabatta-Richtung, das andere Mal ein Brot, das nach »normalem« Brot geschmeckt hat. Aber um Längen besser als vom Bäcker. So, nun mal die kleine Einkaufsliste.
- 400g Mehl
- 320ml Wasser
- 1 1/2 Teelöffel Salz
- 1/2 Teelöffel Trockenhefe
Nun mixt man alle Zutaten eben schnell zusammen, einmal gut durch, damit kein Mehl mehr trocken bleibt, deckt den Teig ab und lässt ihn ungefähr einen Tag stehen. Dann den Backofen auf 230°C vorheizen, den Teig noch einmal kurz mit ein wenig Mehl bestreuen und noch mal kurz übereinanderschlagen. Den Bräter, die Auflaufform oder was auch immer ein wenig mit Butter einschmieren, ein wenig Mehl darüber, dann löst sich das Brot nach dem Backen besser aus der Form. Dann 30 Minuten mit Deckel in den Ofen, danach noch mal etwa 20 Minuten ohne Deckel, für die Bräune und so.
Für den ersten Teig haben wir Typ405 Weizenmehl verwendet. Das Ergebnis sah dann so aus.

Für den zweiten Teig gab es Typ550 Weizenmehl und Weizenvollkornmehl. Wir haben hier ein wenig mehr Teig gemacht, mit 400g Typ550 Weizenmehl, 200g Weizenvollkornmehl und von den restlichen Zutaten immer etwa jeweils 50% mehr.

Das Ciabatta wird es definitiv öfter zum Grillen geben, die zweite Variante werden wir wahrscheinlich noch öfter ein wenig abändern, mal die ein oder anderen Körner ausprobieren. Aber mal abwarten. Jedenfalls sollte es jeder einfach mal testen. Brot!
Steffen schrieb drüben auf stilpirat.de darüber, dass einem die ersten 18 Jahre genauso lang vorkommen, wie die restliche Zeit des Lebens. Es liege wohl daran, dass immer wiederkehrende Ereignisse in unserem Gehirn zu einem Ereignis zusammengefasst werden. Da man aber in den ersten 18 Jahren des Lebens immer wieder Premieren, erste Male oder wie auch immer man es ausdrücken möchte, erlebt, kann unser Gehirn diese unterschiedlichsten Ereignisse nicht zu einem kollektiven Ganzen zusammenfassen. Folglich kommt uns die Zeit länger vor, wir erleben mehr. Immer wieder neues.
Ich bin vor nun mehr als 6 Jahren über diese 18 Jahres Grenze getreten und ich muss sagen, es fühlt sich jetzt schon alles viel zu schnell an. Neulich war erst Silvester, nun hab ich schon wieder Geburtstag gehabt und bald ist wieder Weihnachten. Ich will nicht meckern oder ähnliches, aber dies ist einfach mein momentanes Gefühl. Und das ist ekelhaft. Man sitzt ständig nur vor irgendwelchen Uni Hausaufgaben, Büchern die man durchackern muss oder will und kommt aus diesem Trott nicht wirklich raus. Schlafen – duschen – essen – Uni – essen – Uni – essen – schlafen. Trinken irgendwann zwischendurch. Und nebenher?
Deswegen müssen wieder Premieren her. Viele. Ständig. Ich will nicht sagen ununterbrochen, denn so eine gewisse Routine und einen geregelten Tagesablauf sollte in meinen Augen jeder in irgendeiner vertretbaren Art und Weise haben, aber schon so, dass nicht zu viel Zeit ins Land streicht, bis eine neue hinter der nächsten Ecke auf einen wartet. Das Leben hat viel zu viel tolle und interessante Dinge zu bieten und es lohnt sich, nach diesen Dingen ausschau zu halten, sie zu suchen, immer und immer wieder. Jedenfalls wenn man ein Mensch mit einer gewissen Grundinteressiertheit ist. So wie ich.
Seit dem ich mich mit der Fotografie beschäftige, bin ich über eine Schwelle getreten, hinter der schier unendlich viele Premieren auf einen warten. Man kann sie förmlich wie die Kirschen vom Kirschbaum pflücken. An einem warmen, sommerlichen Abend. Und letzte Woche bekam ich die Möglichkeit, eine ziemlich weit oben hängende zu erreichen. Die Leute von Spürsinn gaben mir die Möglichkeit, einen Film, den ich und meine Freundin mit der alten Nikon belichteten, zu entwickeln. So ein wenig mit Anleitung und so. Wieso und weshalb ich das durfte, sei einfach mal außen vor, ich durfte halt. So. Im Vorfeld habe ich viel darüber gelesen, stand immer wieder kurz davor mir die nötige Chemie, einen Wechselsack und alle anderen notwendigen Utensilien zu besorgen und zuhause einfach loszulegen. Doch irgendwie hatte ich immer Bedenken, es könnte komplizierter sein, als gedacht, ich könne in Panik geraten und der Film sei dahin. Ich bin niemand der für alles und jedes eine Anleitung braucht. Lerne auch lieber autodidaktisch. Aber jemanden mit ein wenig Erfahrung dabei zu haben, kann ja vielleicht nicht schaden. Jedenfalls ging es mir bei dieser Sache so.
Ich habe nun also wirklich da gesessen, mir vorher alles zeigen lassen, wie die Entwicklerdose zusammengesetzt wird, wie der Film auf die Spule gewickelt wird, wie ich die Filmdose am Besten aufbreche, … Und als ich dann die Utensilien in den Wechselsack stellte, ihn verschloss, die Hände samt der Arme darin versenkte und hoffte, dass alles ganz schnell und unkompliziert von der Hand ging, kam ich wirklich etwas ins Schwitzen. Zum einen wird es in diesem mit Blei überzogenen Sack wirklich ziemlich schnell ziemlich warm, zum anderen habe ich die bescheuerte Filmdose nicht aufbrechen können. Aus Angst, den Film zerreißen zu können. Bis ich mir ein Herz fasste und dachte, scheiß drauf. Dann ging alles ganz schnell. Film von der Rolle etwas abrollen, die Filmzunge abschneiden, den Film in die Einschubvorrichtung der Spule schieben, ein wenig die Hände drehen, Film von der Rolle abschneiden, Spule auf die Tülle der Entwicklerdose stecken, in die Dose stellen, Dose zudrehen, Arme raus.
Dann wurde die Chemie angerührt, 20°C Entwicklungstemperatur, bei 10:15 Minuten Entwicklungszeit. Vorwässern, Chemie rein, Dose schwenken, Dose stampfen, wiederholen, Chemie raus, Stoppbad (Wässern), Fixierer rein, schwenken, stampfen, wiederholen, Fixierer raus und Endwässern. Und siehe da, es war etwas auf dem Film. Und es überkam mich ein unglaublich tolles Gefühl und ich war irgendwie stolz auf das, was da vor mir lag. Der Film lag dann noch etwas im Wasser und kam schlussendlich an die Wäscheleine.
Im Nachhinein kann ich wirklich sagen, hört es sich vorher wirklich komplizierter an, als es nun wirklich war. Und wenn man dran bleibt, und immer mal wieder einen Film entwickelt, wird es irgendwann zur Routine. Zu einer gefährlichen Routine.
Nun liegen die Negative hier bei mir zuhause und ich suche verzweifelt nach dem Scanner meines Vertrauens, um sie einscannen zu können und Abzüge davon bestellen zu können. Denn selbst Abzüge von meinem Film zu machen, das wird eine andere Premiere, die aber wohl noch ein wenig Zeit hat.